AUSSTELLUNGEN

Young Artists

 

Öffentliche Vernissage am 22 August ab 17:00 Uhr

 

Ausstellung vom 23 August bis 11 Oktober 2020

Freitags bis Sonntags

13 bis 18 Uhr  

 

Die besondere Ausstellung " Young Artists", bietet vier jungen Kunstschaffenden aus der Schweiz eine einzigartige Plattform.  Physische Wahrnehmung, Philosophie und Corona werden in dieser Ausstellung zum Thema.

 

Melissa Frei, Florian Maritz, Anna von Siebenthal und Fabienne Baumann besuchten die Kunsthochschule Luzern und schlossen den Studiengang <Kunst und Vermittlung> ab.

 

Neben Projekt-Verwirklichung und Studien zum Thema Kunst und deren Umsetzung in der Moderne, wurde auch dem Thema Präsentation in Ausstellungen während Ihrer Ausbildung viel Aufmerksamkeit geschenkt.

 

Hier bietet nun die Galerie Art87 in Andermatt die Möglichkeit, ihre künstlerische Praxis nach aussen zu tragen und sich zu positionieren.

 

Die Galerie wird den jungen Kunstschaffenden frei zur Verfügung gestellt, vom Design des Flyers bis zum Einrichten der Räume und den Vorbereitungen der Vernissage.

 

Sie erwartet eine frische, moderne Welt der jungen Kunst, wir freuen uns auf ihren Besuch…

 

Art87team 

 

Melissa Frei

https://www.kannichallesdarfichalles.com/portfolios2019

 

Florian Maritz

Website: https://florianmaritz.ch

Instagram: https://www.instagram.com/florianmaritz/?hl=de 

 

Anna von Siebenthal

Website: https://annavonsiebenthal.blogspot.com/p/cv.html

 

Fabienne Baumann

Exhibition: 2019 Feng-Shui einmal ganz anders, akku, Emmen with the Publication: https://www.luzernerzeitung.ch/kultur/feng-shui-einmal-ganz-anders-ld.1106814 

Instagram: https://www.instagram.com/freezing_bird/

 

Young Artists - Saaltext

 

Anna von Siebenthal:

«Und wie viel Toilettenpapier brauchst du?»

 

Diese Frage habe ich meinen Freunden und Bekannten gestellt und sie darum gebeten mir die Menge an Papier zu schicken, welche für Klein und Gross auf der Toilette gebraucht wird. Toilettenpapier oder besser gesagt dessen Muster interessieren mich seit zwei Jahren, seit da sammle ich verschiedene Designs. Der Kontrast zwischen dem kurzen Verbrauch und der Musterung, der Lagen, der Prägung und des Geruchs faszinieren mich. Für mich ist Toilettenpapier der Inbegriff der heutigen Überflussgesellschaft. Diese Thematik greife ich in «twenty-one pieces of toilet paper II auf. 

Zumeist arbeite ich mit Materialien, welchen wenig Beachtung geschenkt wird und schaffe durch meine Transformation in Werke neue Zugänge und leite Aufmerksamkeit auf wenig Beachtetes. Beim Toilettenpapier ist es erstmals so, dass die Aufmerksamkeit durch die aktuelle Situation (Corona) vor meinem Eingriff anstieg. Mich reizt es in dieser Zeit ein ansonsten wenig beachtetes Material aufzugreifen und damit zu arbeiten. 

Für die Galerie Art 87 habe ich eine dreiteilige Werkserie geschaffen. «twenty-one pieces of toilet paper» ist eine Variation meiner temporären Bachelor-Arbeit auf der Reussbrücke Luzern. Mit «Und wie viel Toilletenpapier braucht du?» möchte ich auf eine humorvolle Art das Tabu des Aufs-WC-gehen aufgreifen. Als letzte Arbeit zeige ich zwei Stücke auf der Serie «Relikte». Diese Arbeit thematisiert Toilettenpapier als Überbleibsel aus einer vergangenen Zeit, wo Papier gehamstert wurde. Die Symbole auf den Stoffstücken regen zur Interpretation dieser Zeit an. 

 

Fabienne Baumann:

Shot/Shut Down

 

In dieser Arbeit habe ich mich mit der virtuellen Welt in kommerziellen Videospielen beschäftigt. Ursprünglich stand der Begriff Gamification (Attentat Christchurch 2019) im Zentrum, bei dem ich das Wechselverhältnis von der Gewalt in Games und deren Nachahmung im Bezug zur Realität untersuchte, wobei Videospiele als Spiegel der Gesellschaft agieren. Der Fokus wurde auf die neuen Kriegsformen unserer Zeit gelegt (Attentate, Amok, biologische Kriegswaffen).

Das Motiv stammt aus dem Videospiel Days Gone, welches inhaltlich den individuellen, menschlichen Umgang, während einer Pandemie zeigt. Das fiktive Motiv wurde während des Entstehungsprozesses zur Wirklichkeit (Corona) und die Malerei wurde folglich zu einem fiktiven neuzeitigen Historienbild. Das Bild spielt sowohl auf die ursprünglichen Themen Amok, Rassismus, Terrorismus, wie auch auf unsere Ängste der Wissenschaft an und nimmt direkten Bezug auf die Corona-Krise (Pandemie).

 

Gestures of today‘s powers

Gesten sind ein Teil der nonverbalen Kommunikation und können uns unbewusst beeinflussen oder wir können sie bewusst einsetzen. Diese Arbeit beschäftigt sich mit Gesten von Politiker, welche diese oft als rhetorische Tricks nutzen. Jede Geste ist symbolisch aufgeladen und hat ihre eigene Bedeutung. Sie haben sich bereits etabliert und gehören zur Charakteristik des jeweiligen Politikers. Meine Hand diente als 

Referenz für die Gemälde.

Merkel: Die Raute der Macht ist ein charakteristischer Teil ihres Auftretens und symbolisiert Ruhe, Kraft und soll Besonnenheit ausdrücken.

Trump: Durch dieses Symbol versucht er Stärke, Kontrolle und Glaubwürdigkeit zu vermitteln. Zudem soll der geschlossene Kreis zeigen, dass er seine Aufgaben sorgfältig und korrekt erledigt. 

 

Florian Maritz:

Maritz Kiosk

 

Der Maritz Kiosk ist eine Skulptur. Sie besteht aus vielen kleineren Arbeiten, wie Skulpturen, Plastiken und Postkarten. Der Kiosk setzt sich einerseits mit dem Kunstbetrieb kritisch auseinander, indem dieser als reiner Kauf und Verkaufsort dargestellt wird. Die Beziehung von Galerie und Künstler*in wird bearbeitet, man braucht sie um gesehen zu werden aber will sich nicht verkaufen. Andererseits gefällt mir der Kiosk als sozialer Ort und als Ort der Freude, wo man sich mal etwas Süsses gönnt.

Meine «Schlutzisäckli» stellen Symbole dar, die ich als problematisch ansehe in unserer Gesellschafft. Zum Beispiel kleine Skulpturen inspiriert von Jeff Koons, die den momentanen Kunstmarkt kritisieren oder Pistolen, die den leichtfertigen Umgang damit und die Unterstützung von Rüstungsunternehmen zeigen.

Süssigkeiten der Kunst gar nicht so unähnlich, sie sind nicht lebensnotwendig aber sie versüssen einem den Tag. 

 

florianmaritz.ch 

 

Melissa Frei:

 

Der Begriff des Homunkulus stammt aus dem Mittelalter und steht für einen künstlich geschaffenen Menschen. Heute ist der Homunkulus bekannt als Wesen, welches die neurologische Sensibilität von unterschiedlichen Körperteilen veranschaulicht oder die Anordnung von Gehirnregionen visualisiert. In der Philosophie bezeichnet der Homunkulus das Konstrukt eines Wesens, welches visuelle Reize im Gehirn in Bilder übersetzt. 

 

Die Idee der Arbeit Homunkulus setzt sich aus drei Teilen zusammen: 

1.  Unser Alltag ist geprägt davon, dass wir fortlaufend zwischen sozialen Kontexten wechseln. So bewegen wir uns zwischen Arbeit, Familie und Freundeskreis. In all diesen Kontexten haben wir Rollen dafür, wie wir anderen begegnen wollen: motivierte Angestellte, vorbildliche Schwester, wagemutige Freundin. Ist das Selbst ein Konstrukt aus all diesen Rollen? Ist es möglich, andere in ihrer Gesamtheit wahrzunehmen, oder sehen wir sie als Kombination der Rollen, in welchen wir sie erleben? 

2.  Gleichzeitig leben wir im Zeitalter der Digitalisierung. Wir pflegen Kontakte über Soziale Medien, erhalten Infos und News über eine Vielzahl von digitalen Kanälen und finden Unterhaltung auf Streaming-Plattformen. Fast überall kann aktiv am «online-Leben» teilgenommen werden; durch Kommentieren oder das Teilen von Informationen und Bildern. Und dieser Austausch ist immer eine Form der Selbstdarstellung; als erfolgreiche Karrierefrau mit perfektem Lebenslauf oder als Familienmensch mit einem Facebook Profil voller Ferienfotos. Oder dann ein Account mit einem rätselhaften Pseudonym, wo – in scheinbarer Anonymität – andere Persönlichkeitsaspekte ausgelebt werden können. 

3. Bilder werden immer wichtiger. Erst durch die Fotografie, dann den Digitaldruck und schliesslich die Digitalisierung hat sich eine wahre Bilderflut verbreitet. Sei dies ein Emoji in einer Sprachnachricht auf dem Handy oder die Dokumentationsfotografie zu einem Zeitungsbericht; während Bilder zwar Text nicht ersetzen können, so sind sie doch ein wesentlicher Teil unserer Kommunikation. Dabei ist jedoch unklar, welche Informationen durch Bilder transportiert werden können und wie dies funktioniert. Wie lesen wir Darstellungen? Ist nur eine subjektive Betrachtung möglich? Wie werden visuelle Informationen wahrgenommen und decodiert, damit wir den Inhalt deuten können?

 

Das Projekt Homunkulus besteht aus Acrylmalereien, welche kombinierte Porträts einer jungen Frau abbilden. Das Modell wurde von unterschiedlichen Seiten fotografiert, diese Dateien anschliessend digital mit Hilfe von Filtern kombiniert und zu verschachtelten Gesamtbildern zusammengesetzt. Diese wiederum wurden als Vorlagen für die Malereien verwendet, wo die Facetten der einzelnen Porträts weiter ausgearbeitet wurden. 

Das Endprodukt ist eine Bildreihe, welche sowohl digitale wie auch handschriftliche Züge aufweist. Die einzelnen Gesichter gehen ineinander über und die junge Frau wird zu einem mehrköpfigen Wesen; einem Homunkulus.